Ehemalige Wiesenbewässerungsanlage Bad Bocklet-Aschach und Aschach – Großenbrach

Die Stauanlagen und Saalewiesenbewässerung zwischen Hohn und Kleinbrach und das ehemalige Schwimmbad an der Fränkischen Saale in Aschach

Anfang April 2024 gelang es Dr. Wolfgang Hegel von der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, mit moderner Technik (Structure-from-Motion) die völlig verwitterte Inschrift von der Erbauung des Nadelwehrs lesbar zu machen. Dabei wird aus vielen zweidimensionalen Fotos ein 3D-Modell errechnet, das dann in einem weiteren Programm nachbearbeitet wird.

Rekonstruktion Inschrift von 1772 [der ‚Mau(r)ermei(ster)‘ könnte der Aschacher Grohgans gewesen sein]:

Aus „Geschichte des Marktes Aschach“ von Ludwig Böhm und Karl Rützel, Verlag des Histor. Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, 1902 geht aus dem Abschnitt „Kirchliche Verhältnisse Aschachs, Seite 93 (?) hervor: „… wurde in Aschach, Bocklet oder Großenbrach die Wässerung (Aufbau des Wehrs zur Wiesenbewässerung) gebaut, so bezahlten die Pfarrer gewöhnlich die auf ihre Wiesen treffende (Wasser-)Quote. Nur Schöppner weigerte sich …“. Er war von 1720 bis 1726 Pfarrer von Aschach und entdeckte 1724 die Bad Bockleter Stahlquelle. Nach seinem Tod musste jedoch seine Schwester die Wässerungskosten tragen. Ein Wehr wird es daher bereits vor der ältesten Bauinschrift in Aschach von 1772 oder bei der Wässering in Bad Bocklet 168.. gegeben haben.

1925 wurde das Wehr, das zuvor einen Schützenverschluss zwischen ortsfesten Säulen hatte, umgebaut in ein Nadelwehr. Dazu nachfolgend einige Akten aus den dem Landratsamt Bad Kissingen (Nr. 4206) vom Straßen- und Flussbauamt Schweinfurt: Die Stauanlage, 350 m südöstlich der Ortschaft Aschach neben der Saalebrücke der Ortsumgehung befindet sich im Eigentum des Staates. Sie dient zur Bewässerung von 400 Morgen (100 Hektar) Saalegrundwiesen der Gemarkung Aschach und Großenbrach. Während Bocklet – Aschach eine Wassergenossenschaft bildete war die Anlage nach Großenbrach, da sich dort die Besitzer weigerten, keine öffentliche Genossenschaft. Das Wasserrecht bestand schon seit unvordenklichen Zeiten.

Abzweig Schlundgraben, ohne ehem. Bedienungssteg

Die Halle am alten Schwimmbad diente der Lagerung der Nadeln für das Nadelwehr und wurde später als Umkleide für die Schwimmbadbesucher verwendet. Die Nadeln wurden schräg in die Saale in eine betonierte Vertiefung mit Befestigung am Steg eingebaut. Die Wieseneigentümer hatten das Recht dreimal im Jahr zu stauen. Zuerst wurde an der Wässerung Richtung Hohn die Saale aufgestaut, danach in Aschach und dann weiter am Wehrhaus in Kleinbrach. Da die Eltern den Kindern das Schwimmen in der Saale nicht erlaubten badeten diese in den Bewässerungsgräben. Diese waren von den Bauern ausgeputzt und führten dann klares, warmes Wasser.

Lageplan Wehrbaustelle (Staatsarchivakten)
Amtliches Wasserbuch für Gewässerbenutzung (Staatsarchivakten)

Für die Wassergenossenschaft Bocklet-Aschach wurde nahe Hohn eine Stauanlage errichtet von der das Wasser über den Hauptbewässerungsgraben auf der Talseite von Bad Bocklet bis zur Kurparkerweiterung lief. Dort neben der Brücke nach Aschach befindet sich das Überleitungsbauwerk (Lagergelte) über die Saale für die Bewässerung auf der anderen Talseite (Aschacher Flur).

Auf der Aschacher Gemarkung sind noch Hinweise auf die ehemalige Wiesenbewässerung an der Aschach vorhanden. Die Aschach mündet mündet im Ortin die Saale. Von dem Bach zweigen südlich des Bauersberg zwei Gräben für die Wiesenwässerung (siehe folgende Abbildung) ab.

Abzweigende Bewässerungsgräben im Aschachtal

Bei dem noch vorhandenen Wehr (rechter Pfeil im obigen Kartenausschnitt) sieht man die Aussparung an der Wehrmauer (Foto unten) zur Aufnahme der Staubretter. Das Wasser lief dann, im nicht mehr vorhandenem Graben nach rechts in die Wiesen ab.

Stauwehr auf Aschacher Gmkg. (weiter bachaufwärts restauriertes Wehr, siehe wasserwege_flyer)

Im Jahr 2025 wurde wegen dem teiweise fehlenden Geländer auf dem ehem. eisernen Bedienungssteg der Saaleübergang vom Markt Bad Bocklet gesperrt. Wünschenswert wäre die Erhaltung des kulturlandschaftlich bedeutenden Nadelwehres und der seltenen Lagergelte.

Beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V. können Ehrenamtliche und Heimatvereine in einem Mitmachprojekt über eine digitale Kulturlandschaftsdatenbank (https://erfassung.kulturlandschaftsforum-bayern.de), mit der Geografie und Geschichte der Landschaft über sog. Kulturlandschaftselemente abgebildet werden, solche Elemente wie die ehemalige Wiesenbewässerung oder Weinberge erfassen. Das wurde auch im Markt Bad Bocklet, auch z. B. für einen Grenzwall und Weinberg in Hohn, mit Landkarten, Beschreibungen und Bildern in die Datenbank eingegeben.