Weinberge in Aschach und Großenbrach

Ehemaliger Weinanbau an der Fränkischen Saale und dem Zufluss Aschach im Markt Bad Bocklet

Neben Weinbergsterrassen in Bad Bocklet gab und gibt es noch Überreste von Weinbergsmauern und -Terassen in mehreren Ortsteilen des Marktes. Sehr viel ist davon noch in der Flur „Weinberg“ in Hohn an der Straße nach Aschach erhalten und die Hauptstraße dort heißt Weinbergstraße. Im Hauptort weist nur noch der Straßenname „Im Wengert“ auf den einstigen Weinanbau hin. Auch in dem kleinen Weinberg in Roth ist fast nichts mehr davon zu erkennen.

Blick von der Neusetz-Straße zum Wengert mit östlichem Teil ohne Wohnbebauung

In Aschach sind durch die Siedlungen „Am Weinberg“ und „Hirtenrasen“ Teile der Flur „Weinberg“ überbaut, jedoch gibt es in dem unbebauten, teils inzwischen bewaldetem Bereich mehrere noch gut erhaltene Weinbergstrocken-mauern. Bei Großenbrach sind von einem kleineren Weinberg in der Flur „Rothellern“ am Stellberg am Beginn des Weges nach Nüdlingen nur noch Terrassen und verfallene Mauern vorhanden. Dort weist ein großer Teil die Nachfolgenutzung Streuobswiese auf, die im Eigentum des Kreisverbandes vom Bund Naturschutzes sind. In der Uraufnahme des Katasters in Bayern aus den Jahren bis 1864 ist in einer Grundstücksparzelle sogar noch die Nutzung als Weinberg durch die in der Karte dargestellte Signatur Rebstock eingetragen. Auch beim Wengert in Aschach findet sich in der Historischen Karte auf einer kleinen Fläche diese Nutzungssignatur.

Laut (http://www.lwg.bayern.de/cms06/weinbau/253208/index.php) der Bayerischen Landesanstalt für Garten- und erreichten die fränkischen Rebflächen im 12. bis 16. Jahrhundert Ihre größte Ausbreitung und waren damit zu dieser Zeit das größte zusammenhängende Anbaugebiet Europas. Durch den Dreißigjährigen Krieg, sich verschlechternde klimatische Bedingungen und den Vormarsch des Bieres schwindet die Rebfläche dramatisch. Nach einer weiteren Blütezeit im 18. folgt im 19. Jahrhundert durch die Auflösung vieler Klöster und hohe Steuern ein erneuter Rückgang der Anbauflächen. Als Rebkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau in fränkischen Rebflächen auftauchen und 1902 die Reblaus in Franken erscheint, ist eine wirtschaftliche Trauben- und Weinerzeugung kaum noch möglich.

Oberste Weinbergsmauer am Rand zu den Feldern in Aschach

In der Geschichte des Marktes Aschach von Ludwig Böhm und Karl Rützel, Verlag des Histor. Vereins von Unter-franken und Aschaffenburg, 1902 wurde von den Weinbergen in Aschach und Großenbrach berichtet. Auf Seite 91 dieser Chronik steht, dass der Ortspfarrer in der Mitte des 18. Jahrhunderts Zehnten bezog, u. a. vom: „Martberg (Marktberg) und vom Stellberg, wo „zuvor Weinberge gestanden …“

Weiter steht auf Seite 69 dieser Chronik mit Hinweis auf die Quelle Zweites Aschacher Salbuch vom Jahre 1582 über den Ablauf von Gerichtssitzungen auf dem Centberg (Schloss Aschach): „…bricht der Richter den Stab und reitet (der Nachrichter, Henker) dem Verurteilten voraus, bis zur Marterstatt ober(halb) den Weinbergen am Schorfeld“ (Flurbezeichnung: Hochgericht, Galgen) wo die Hinrichtung stattfindet.“

In der Geschichte der Ortsteile Aschach und Großenbrach von Dr. Herbert Schultheis, Bad Neustadt a. d. Saale, 1996, steht auf Seite 26: „1512 gewann Bischof Lorenz von Bibra von Wilhelm von Bibra den Getreide- und Weinzehnt von Aschach, d(as) i(st) vom … Martberg“. Der Mart- oder Marktberg ersteckt sich (siehe auch „Dorfkarte“) vom Bauers-berg bis zum Ölberg westlich des Sportplatzgeländes in Aschach.

Verschneidung Reliefkarte und Historische Karte von 1860 des Aschacher Wengerts aus https://atlas.bayern.de
Derselbe Kartenausschnitt wie oben mit dem vermuteten ehemaligen Weinrebenanbau in der Flur Weinberg und  am Bumert (mit roter Umrandung; aus Bayernatlas)

Vergrößerter Ausschnitt aus obigem Kataster mit der Signatur Rebfläche. Letzter Rest Weinberg zur Zeit der Uraufnahme (im roten Kreis abgebildet).

Historische Karte vom Stellberg bei Großenbrach mit hangsenkrecht verlaufenden Weinbergen, teilweise noch mit entsprechender Nutzungssignatur (vermutlicher Ausdehnung rot markiert)
Luftbild mit aktuellem Kataster und historische Karte

Bei Großenbrach am Stellberg weist ein großer Teil die Nachfolgenutzung Streuobswiese auf, die im Eigentum des Kreisverbandes vom Bund Naturschutzes sind. Außerdem sind im gesamten Bereich Grunderwerb von naturschutzfachlich wertvollen Einzelflächen getätigt bzw. vorgesehen. In Aschach sind seit 2001 ökologisches Ausgleichs- bzw. Ersatzgebiet. sich weite Teile des Wengerts im Landschaftsschuzgebiet und seit 2001 das Gebiet Weinberg-Hirtenrasen ökologisches Ausgleichs- bzw. Ersatzgebiet. Wünschenswert wäre es, wenn die restlichen Weinbergsmauern erhalten werden können.

Auch in den anderen Ortsteilen Bad Bocklet, Hohn und Roth gab es Weinberge (Einzelheiten dazu in: https://erfassung.kulturlandschaftsforum-bayern.de/karte?lon=10.06784&lat=50.26768&z=14).